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Ich bin die DIPPE
und das ist mein Tagebuch

Hallihallo

Ihr habt richtig geraten: Ich bin die DIPPE und schon ZEHN. Mein Daddy ist der wichtigste Mann im Rathaus. Ihr wollt wissen, warum? Tja, ohne meinen Daddy säßen der Bürgermeister und die VOLKSVERTRETER im Dunkeln. Dreckig wäre es dort auch, pfui! Denn mein Daddy ist der RATHAUSMEISTER! Mein Daddy ist auch richtig schlau und weiß sehr viel über die Paderborner Politik - ich kann ihn dazu immer fragen…


Nach der Schule besuche ich meinen Daddy oft, wenn er SEINES AMTES WALTET. Toll gesagt, was? Ähem, das kommt bei mir öfter vor, denn die Lehrer meinen, dass ich überdurchschnittlich klug bin. Ausnahmsweise haben sie damit Recht.


Manchmal, wenn ich beispielsweise meinem Daddy dabei helfe, eine neue Deckenleuchte im Großen Sitzungssaal zu befestigen, stapfen die VOLKSVERTRETER ohne anzuklopfen herein. Ich belausche sie dabei gern von meinem Versteck aus – wo das ist, verrate ich euch später.


Was man in dem Großen Sitzungssaal nicht alles zu hören kriegt! Manchmal ist es einigermaßen interessant, aber oft reden die VOLKSVERTRETER auch richtiges Kuddelmuddel. Und weil die VOLKSVERTRETER öfter selber nicht verstehen, was sie sagen, oder einfach nur nachplappern, was auf Zetteln steht, werden andere VOLKSVERTRETER richtig wütend.


Jetzt habe ich offiziell beschlossen, Tagebuch zu führen und alles aufzuschreiben, was ich wichtig oder lustig finde oder nicht verstehe. SUSE, meine beste Freundin, findet die Idee auch gut...

Libori-Knaller

Es kommt Betrieb in unsere Stadt: Libori. Bisher war es ja in den Ferien etwas öde. In Urlaub sind wir nicht gefahren, Daddy sagt, das können wir uns nicht leisten. Kevin aus meiner Klasse ist mit den Eltern auf Ibizza, er hat mir sogar eine Postkarte geschickt, aus dem Hotel wo sie wohnen. Das sieht nach Luxus aus. Aber Kevin schreibt: "Es geht hier öde zu, ich wär lieber in Paderborn." Wahrscheinlich gehen ihm die alten Herrschaften auf den Geist. Oder er ihnen. Da habe ich es besser: Libori!


Die ganze Festivität hat ihren Namen nach einem Bischof aus Frankreich. Im Reli-Unterricht haben wir darüber Infos bekommen: Im Jahre 836 haben einige wackere Paderborner die Gebeine des Liborius aus Le Mans nach hier geholt, der Mann wurde als Heiliger verehrt, er soll Wunder vollbracht, zum Beispiel Nierenkranke geheilt haben. Als seine Überreste nach Paderborn geholt wurden, war er schon etliche hundert Jahre tot.


An der Pader hatte man keinen eigenen Heiligen, und die Menschen hier in der Gegend galten als nicht besonders glaubensstark. Es war doch schlau, sich dann Reliquien, so nennt man das, von auswärts zu beschaffen. Ob die Leute in Le Mans darüber erfreut waren, wusste unsere Lehrerin nicht, woher auch. Aber der Verlust ist offenbar längst verschmerzt, denn es gibt schon seit vielen Jahren eine Partnerschaft zwischen Le Mans und Paderborn. Übrigens soll den Transport der Gebeine damals auf dem ganzen Weg ein Pfau begleitet haben, das finde ich nett.


Allerdings soll der schöne Vogel gleich gestorben sein, als die Reliquien am Domplatz hier ankamen. Warum denn das, habe ich Daddy gefragt. Der ist ja bekanntlich gern witzig und hat gesagt: "Wahrscheinlich war das der Schreck, in dieser Stadt gelandet zu sein."


Ich habe in die Werbedrucksachen geschaut, was denn zum Liborifest so angeboten wird. Hier eine kleine Auswahl: 22 Bischöfe kommen zu Besuch. Elmar Brok redet vor dem Landvolk. (Über Brok weiß ich Bescheid, aber was ist denn ein "Landvolk"?) Der oberste deutsche katholische Bischof, Marx heißt er, spricht beim Liborimahl. (Da komm ich sicher nicht rein.) Eine Comedyshow gibt es, mit dem Titel "Darf ich noch für eine Ohrfeige mit raufkommen?" (Habe ich nicht verstanden; Onkel Freddy will sich das ansehen.) Und dann eine Rockband: "Heisskalt".


In deren Reklame steht, dass "vier Hardcorejungs sich den Arsch abspielen". Da habe ich dann weitergelesen:" Die stetig wachsende Fangemeinde kann gar nicht anders, als sich nach den schweißtreibenden Liveshows der Band sofort zu verlieben und zu vermehren." Ich habe das meiner Mutter gezeigt. Die kam mit dem "Vermehren" nicht so richtig klar, das "Verlieben", meinte sie, würde erst mal reichen.


In demselben Blatt der Werbegemeinschaft Paderborn hat sie etwas Interessantes entdeckt: "Libori-Knaller" bieten die hiesigen Geschäfte verbilligt an. Einen Golf Cup zum Beispiel für 21 Tausend Euro. Die sind bei uns nicht in der Familienkasse. Aber dann: Staubsauger, 149 Euro. "Den brauchen wir", sagt Mam, "Staub gibt es reichlich". Komisch, unsere Wohnung kommt mir eigentlich ganz sauber vor, was mag sie gemeint haben?


Ich werde mal mit meinen Freundinnen reden, vielleicht sollten wir zum nächsten Liborifest auch etwas anbieten, einen eigenen Knaller, Publikum ist doch genug da. Mir ist schon ein Logo eingefallen und ein Slogan: "Der Pfau - wieder lebendig".

In der Mathestunde

Mona, diese verwöhnte Göre, prahlte in der letzten Mathestunde mit ihrem neuen Smartphone, das sie von ihrem Daddy geschenkt bekommen hat. Und davon, wie viele kostenlose „APPS“, das sind Computerprogramme, sie schon heruntergeladen hätte.


„Damit kann man ganz tolle Spiele spielen.“ Meinte Mona. Sie war richtig aufgedreht.


„Wie wär’s denn mal mit Wasserball?“ Fragte Kurti, die Wasserratte, der auch unser Computerfreak ist.


Aber Mona hielt dagegen: „Schiffe versenken auf dem Smartphone ist viel besser! Oder Fische füttern!“


Kurti blieb ganz cool. „Schon mal was von SPYWARE gehört? Damit spionieren dich die Hersteller solcher APPS aus. Die wissen bald mehr über dich als du selbst. Und keiner weiß, was am Ende mit deinen privaten Daten passiert.“


Mona wurde zickig: „Papperlapapp!“ Aber huch, jetzt wurde sie auch ganz rot im Gesicht. Nicht etwa aus Zorn, sondern weil sie dieses englische Wort noch nie gehört hatte.


An dieser Stelle griff Herr Striewe, das ist unser Mathelehrer, ein: „Mona, jetzt gibst du mal das Ding her bis zum Ende des Unterrichts. So was gehört nicht in die Schule.“


Herr Striewe meinte außerdem, dass er mal mit Monas Eltern reden will, denn er hält Smartphones in den Händen von Zehnjährigen für ganz unverantwortlich.


Ich finde Spielen mit anderen Kindern viel besser. Dann habe ich noch gedacht, es ist sehr schade, dass Kurti ein Junge ist. So einen sportlichen Typ könnten wir in unserer Frauenfußballmannschaft gut gebrauchen. Fragen würde ich ihn schon einmal gern. Vielleicht überarbeite ich die Regeln noch mal...

Alle umarmen sich

Jetzt kommt ein neuer Bürgermeister in unser Rathaus. Er heißt Michael Dreier. Bei der Party nach der Wahl war er ganz happy. In der grünen Zeitung ist ein Foto zu sehen, wie er ganz strahlend seine Frau umarmt. Oder sie ihn. Ob sie glücklich ist, dass ihr Mann nun nicht mehr in Salzkotten, sondern in der Großstadt Paderborn der Chef ist? Da wird er noch weniger Zeit haben, sich um seine Kinder zu kümmern, schätze ich.


Zwei andere Männer wollten auch Bürgermeister in unserer Stadt werden. Da ist aber nichts draus geworden. Warum hat denn keine Frau dafür kandidiert? Oder es könnten sich doch Herr und Frau Dreier den Bürgermeisterjob teilen, dann hätten die Dreierkinder mehr von beiden Eltern.


"Sowas geht nicht, nicht in der Politik", sagt Onkel Freddy, "außerdem ist die eher Männersache." Das hat er aber nicht ernst gemeint, denn wir haben ja eine Bundeskanzlerin. Vielleicht geht es bei uns in Paderborn eben noch etwas altertümlich zu, und man wechselt hier nicht gern seine Gewohnheiten. "Ja so ist das bei den Paderbörnern", meint meine Mutter und seufzt ein bisschen. Sie hätte es nämlich gern gesehen, wenn der Bürgermeister mal nicht aus der CDU kommt. Schon der Abwechslung wegen.


In der grünen Zeitung steht, dass auch Andreas Krummrey den neuen Bürgermeister umarmt hat, obwohl er selbst Bürgermeister werden wollte. Und dass er gesagt hat, möglicherweise würde er sich trotz seiner Niederlage später mal politisch betätigen, dann aber in seiner lippischen Heimat.


Ich habe mir überlegt: Vielleicht mische ich mich in ein paar Jahren in die Politik ein, ich muss ja deshalb nicht ins Lipperland umziehen.

Wir werden immer mehr!

Liebes Tagebuch, ich kann von einer kleinen Sensation berichten: Nach schwierigen Verhandlungen ist es mir gelungen, die Turnerin MO vom Le-Mans-Wall und die Reiterin HUA HU aus Benhausen ins Boot der Paderborner Frauenfußballmannschaft zu holen.


An dieser Stelle möchte ich Doro dafür danken, dass sie die neuen Trikotnummern schon ausgeschnitten und angeklebt hat!


Damit ergibt sich jetzt die Aufstellung: 1 DIPPE, 2 Kati, 3 Doro, 4 Hua Hu, 5 Mo

Schwimmen ist wichtig!

Daddy hat mir einen Zeitungsartikel gezeigt über unseren Stadtteil Elsen, wo ich auch schon oft war. Kurti, die Wasserratte, lebt dort.


Die DIP (Demokratische Initiative) beschwert sich in dem Artikel, dass das letzte Elsener VOLKSVERTRETER-Treffen von der CDU einfach abgesagt wurde. Obwohl darüber gesprochen werden sollte, das Elsener Hallenbad für Frühschwimmer zu öffnen, wie die DIP das möchte. Und die will auch, dass es dort mehr Schwimmkurse in den Oster- und Herbstferien für Kinder gibt.


„Wieso wird das Treffen dann abgesagt?“ Habe ich Daddy gefragt. „Mehr Schwimmkurse sind doch wichtig. Schwimmen ist gesund und viele Kinder bewegen sich heute viel zu wenig!“


Daddy grinste: „Aber wohl nicht wichtig genug für einige VOLKSVERTRETER. Ob die Geringschätzung des Themas daran liegt, dass Kinder keine Wählerstimmen einbringen?“


Kurti wurde richtig wütend, als ich ihm in der Schule von dem Zeitungsartikel erzählt habe. Jetzt will er eine Partei gründen: die EFSP.


„EFSP?“ Haben Suse und ich ihn fragend angeschaut.


„Das ist die Elsener Frühschwimmer Partei.“ Klärte uns Kurti auf. Und wenn der sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat…

Frauenpower!

Dass der SC Paderborn aufgestiegen ist, finde ich ja echt prima. - Aber wo sind die Fußballspielerinnen?


So, ich habe jetzt beschlossen, dass ab sofort Frauenfußball in Paderborn gespielt wird!


Hier ist meine erste Aufstellung:


1 DIPPE



2 Kati



3 Doro



(Suse überlegt noch, ob sie mitmacht.)

Die Lobbyisten

Weil Onkel Freddy sehr beschäftigt ist, habe ich mich selbst schlau gemacht. Wer sind diese „Lobbyisten“, von denen sich der Elmar Brok nicht reinreden lassen will?


Im Internet gibt es zu dem „Lobbyismus“ eine Erklärung bei Wikipedia, die nicht leicht zu verstehen ist. Aber ich habe mich angestrengt.


Also, Lobbyisten sind Leute, die von Firmen bezahlt werden. Der Auftrag an die Lobbyisten lautet: Seht zu, dass ihr unsere Interessen bei den Politikern durchsetzt. Dafür kriegt ihr ja das Geld!


Da die Lobbyisten aber keinen guten Ruf haben, betreiben sie ihr Geschäft meistens heimlich. Wenn die Politiker nämlich für eine Sache wie zum Beispiel das Fracking werben, dann wollen die Lobbyisten nicht, dass wir alle wissen, wer dahinter steckt. Sogar die passenden Gesetze schreiben die Lobbyisten, und die Politiker übernehmen sie einfach!


Onkel Freddy hat gesagt, dass es heute immer mehr von diesen Lobbyisten gibt. So etwas finde ich schlimm.


Ob man aber dem Elmar Brok trauen kann? Vielleicht meint er mit seinen Lobbyisten ganz andere. Umweltschützer zum Beispiel. Aber die wollen ja keine Kohle machen, wenn sie sich zu Wort melden. Und wenn er sagt, dass er ganz allein für unsere Region entscheidet, ist das nicht richtig. Ich will doch auch mitreden! Und Suse ebenso! Da macht auf mich der hübsche Schnäuzer von dem Herrn Brok gar keinen Eindruck.


Von Daddy habe ich jetzt gehört, dass Elmar Brok und auch der Michael Dreier gegen einen Nationalpark in der Senne sind. Da bin ich aber anderer Meinung. Wenn es nicht anders geht, werde ich wohl Lobbyistin in eigener Sache. Ohne Heimlichtuerei und für lau!

BROK: Echt ein Hecht

Jetzt schaue ich oft in unsere Paderborner Zeitungen hinein, viel mehr als früher. In das grüne und in das rote Blatt. "Die werden so genannt wegen ihrer Druckfarben", sagt mein Daddy, "nicht weil die eine Zeitung für die Grünen ist und die andere für die Roten."


"Wer sind denn in der Politik die Roten", habe ich gefragt.


Daddy sagt: "Das kann ich Dir so schnell nicht erklären, ich muss erst mal zur Arbeit." Na ja, das eilt ja auch nicht.


Am Zeitunglesen habe ich Spaß gewonnen, weil dabei viel über den SCP zu lesen ist. Ich drücke auch den Daumen, dass der in die Erste Liga kommt. Im grünen Blatt war ganz groß eine Frau abgebildet, die im Dom eine Kerze anzündet, "SC Paderborn" steht darauf. Gott soll dafür sorgen, möchte sie, dass es mit dem Triumph unserer Spieler klappt. Aber wenn nun die Katholiken in Aalen auch Kerzen aufstellen, damit ihre Mannschaft das Spiel gewinnt? Der liebe Gott ist doch für alle da, haben wir in Reli gelernt.


Natürlich steht in den Zeitungen nicht nur über Fußball etwas. Toll kommt in beiden Blättern ein Mann heraus, der einen hübschen Schnäuzer hat. Elmar Brok heißt er. Mit Paderborn hängt er zusammen, weil er hier auf dem Gymnasium war. Auf den Fotos in den Zeitungen sieht Elmar Brok ähnlich aus wie Jürgen von der Lippe, der auch abgebildet ist, weil er in Delbrück "800 Fans mit Schlüpfrigkeiten versorgt hat", so steht das da.


Aber Brok hat keinen Kinnbart, und auch Zoten erzählt er nicht, er ist nämlich ein ganz großer Politiker, im Europäischen Parlament. Die Zeitungen berichten, dass er über sich selbst gesagt hat, er sei "die Stimme von Ostwestfalen-Lippe in Europa". Da muss er ganz schön lautstark sein.


In der einen Zeitung steht außerdem, dass Brok sich nicht von irgendwelchen Leuten beeinflussen lässt, wenn er Politik macht, "Lobbyisten" nennt er die.


Ich habe mir aufgeschrieben, was Brok gesagt hat:


"Dabei entscheide ich, Elmar Brok, ganz allein, was gut ist für unsere Region."


"Lobbyist", was ist das? Onkel Freddy fragen!


Der war dann abends bei uns und hat es mir erklärt: "Lobbyisten sind sozusagen Boten, die aus der Wirtschaft oder von Verbänden zu Regierungen oder zu Volksvertretern geschickt werden, damit ihre Interessen zum Zuge kommen."


So ohne weiteres komme ich mit dieser Auskunft nicht klar. Macht Elmar Brok denn ganz für sich allein aus, was politisch getan werden soll? Hört er sich die Wünsche zum Beispiel von Unternehmern gar nicht an?


Außerdem: Weiß Elmar Brok denn immer, was gut ist für die Ostwestfalen und Lipper, ohne andere zu fragen und sich mit ihnen zu beraten?


Vielleicht ist er ja echt ein Hecht, der Mann mit dem Schnäuzer. Ich werde noch mal Onkel Freddy fragen, was er dazu meint.

Suchmeldung

Wenn ich durch die Stadt radle, schauen mich jetzt große Gesichter an. Auf Plakaten, weil ja Wahlen anstehen.


Auf einem dieser Aushänge sind außer einem lächelnden Mann nur zwei fett gedruckte Worte zu erkennen:


ECHT.
DREIER.


Dann ist da wohl noch etwas Zusätzliches zu lesen, das konnte ich aber nicht näher feststellen, es ist ganz klein gedruckt, und ich musste weiterradeln.


Den Namen Dreier habe ich schon mal in der Zeitung gelesen, da ging es um drei Männer, die bei uns Bürgermeister werden wollen.


Aber wer möchte, dass er in dieses Amt kommt und was will Herr Dreier dann im Rathaus zustande bringen, wollte ich erfahren. Suse wusste das auch nicht. Aber da werden wir uns erkundigen. Vielleicht steht darüber auch etwas in dem ganz Kleingedruckten auf dem Plakat, viel kann es nicht sein.


Über das ECHT bei DREIER habe ich mich gewundert. Der auf dem Foto ist sicher der echte Dreier, dann muss es doch auch einen falschen Dreier geben. Wo ist der nun zu finden?


Oder ist gemeint: Dreier ist echt, fürs Rathaus, und ein anderer Mann mit anderem Namen ist dafür falsch?


Wer könnte das denn sein?

Bürgermeisterzähne

Manchmal schaue ich mir Artikel in unseren beiden Paderborner Zeitungen an. Nicht allzu oft, denn vieles darin kommt mir langweilig vor. Aber das ist Geschmacksache. Diesmal habe ich im "Volksblatt" etwas gefunden, das mich interessiert. Da wird den drei Männern, die hier in unserer Stadt Bürgermeister werden wollen, "auf den Zahn gefühlt". So steht das in der Überschrift. Sie werden gefragt, ob sie unserem Paderborner Fußballclub finanziell unter die Arme greifen werden. Für Fußball habe ich dicke Sympathie.


Aber gewundert habe ich mich schon: Ist denn beim SCP Ebbe in der Kasse? Und haben die Kandidaten, die Bürgermeister werden wollen, soviel Geld in der Tasche? Bei einem Verein, der vielleicht in die 1. Bundesliga kommt, geht es ja nicht so ganz billig her, von ein paar Euros hat der nichts.


Ich habe mal wieder Daddy gefragt, er weiß doch, was im Rathaus angesagt ist. Der sagt:


"Ich glaube nicht, dass der SCP Geld von einem Bürgermeister braucht. Schon gar nicht von dem persönlich, steinreich wird keiner der Kandidaten sein. Wenn der Paderborner Fußball aber aus dem städtischen Haushalt finanziert werden wollte, dann müssten die Leute im Stadtrat darüber entscheiden."


Na siehste, auch ein Bürgermeister kann nicht einfach machen was er will. Nicht mal für einen sportlichen Zweck. Da wird sich die Redaktion der Zeitung eine andere Frage an die Kandidaten für dieses Amt ausdenken müssen, die besser passt.

Ein Ostermarsch?

Liebes Tagebuch, Suses Eltern nehmen jedes Jahr an einem Ostermarsch teil. Sie suchen dabei aber nicht nach Eiern, sondern demonstrieren für den Frieden. Suse ist schon einmal mitgegangen und am Besten fand sie natürlich die Musik, nach der man „so schön tanzen kann!“ War ja klar - die Suse eben…


Dieses Mal ist der Ostermarsch in Sennelager. Das kenne ich, da leben viele englische Soldaten mit ihren Familien, Kasernen gibt es dort und die schöne Senne grenzt an den Ort.


“Warum trefft ihr euch in Sennelager?“ Habe ich Ina, das ist Suses Mama, gefragt.


“Dort beginnt der Truppenübungsplatz Senne, wo für Kriege geübt wird. Wir wollen aber, dass das aufhört. Die englischen Soldaten verlassen die Senne zwar bald. Aber Politiker, besonders die von der CDU und der FDP, wollen, dass dann deutsche Soldaten weitermachen mit dem Kriegüben.“ Sagte Ina.


Und Klaus, Suses Daddy, meinte: „So oder so, es kommen Probleme auf den Ort zu, weil viele Wohnungen der Engländer dann leer stehen. Und was mit den Kasernen geschieht, weiß heute auch keiner. Beim Ostermarsch wollen wir nach Lösungen suchen, ohne Militär.“


“Wir wollen auch einen Nationalpark mit Kinderspielplätzen!“ Hat sich Suse eingeschaltet.


“Sennelager könnte so ein „Tor zum Nationalpark“ werden, was bestimmt viele Besucher anlockt“, ergänzte Ina.


Gegen das Kriegüben und für Frieden bin ich auch. So einen Nationalpark, in dem Kinder spielen können und wo die Natur geschützt wird, finde ich auch eine gute Idee. Dass die Soldaten in der Senne keine Heidegräser mähen, wie die Junge Union sich das vorstellt, habe ich inzwischen mitbekommen.


“Okay, ich mache mit bei dem Ostermarsch!“ Habe ich gesagt. „Wann geht’s los?“


“Am Ostersamstag um 12 Uhr vor der Schützenhalle in Sennelager.“ Sagte Klaus.


“Und wir wollen Schewardnadse mitnehmen!“ Freute sich Suse.


OH NEIN! Nicht mit dem nervigen Zwergschnauzer von Anni und Freddy! Habe ich gedacht. Aber meine Entscheidung dabei zu sein stand trotzdem fest.

Zu jung fürs Wählen?

In der Stadt hängen Plakate für die Wahl, am 25. Mai soll sie sein.


Ich habe Daddy gefragt: "Warum darf ich nicht wählen?"


"Weil Du noch keinen Schulabschluss hast und außerdem keine Steuern bezahlst", hat der gesagt. Er meinte das aber mehr als Witz. "Darüber könnt ihr euch doch mal im Unterricht unterhalten", schob er hinterher.


Das haben wir dann auch getan, und unsere nette Lehrerin wusste über alles Bescheid: Normalerweise darf man ab 18 Jahren seine Stimme abgeben, jetzt bei den Wahlen für den Stadtrat aber schon ab 16, und Kinder dürfen nicht wählen, weil sie noch keinen Durchblick haben. Glauben jedenfalls die erwachsenen Leute, die dafür die Vorschriften machen. Da gab es bei uns in der Klasse allerlei Einwände: Ist denn sicher, dass jeder, der über 18 oder über 16 ist, all die politischen Dinge durchschaut? Und geht es nicht in der Politik vor allem um das zukünftige Leben von uns Kindern?


Unsere Lehrerin hat noch folgendes erzählt:


Einige Politiker schlagen vor, dass bei Wahlen die Eltern zusätzliche Stimmen für ihre Kinder bekommen. Aber es gibt auch den Vorschlag, das Wahlalter wenigstens auf 14 Jahre runterzusetzen. Oder Kinder und Jugendliche selbst entscheiden zu lassen, ob sie sich für Politik interessieren - und dann können sie beim Wählen mitmachen, wenn sie wollen. Wahlpflicht gibt es ja bei uns nicht.


Der Vorschlag, Eltern für ihre Kinder abstimmen zu lassen, gefällt mir nicht. Nichts gegen Daddy und meine Mama, aber ich möchte schon selbst bestimmen, wer von den Bewerbern für den Stadtrat oder ein Parlament meine Stimme erhält, sonst ist das ja gar nicht meine Wahl.


Zu Haus habe ich von unserem Gespräch in der Schule berichtet. "Ich will möglichst bald wählen dürfen", war mein Standpunkt. Meine Mutter hat eine Neigung dazu, Wasser in den Wein zu gießen. So nennt das mein Vater. Sie meinte: "Ja ja, dann gibst Du Deine Stimme einem Kandidaten oder einer Kandidatin, und wenn die dann in ihrem Amt sitzen, machen sie vielleicht was sie wollen. Und nicht das, was Du Dir gewünscht hast."


Darüber muss ich jetzt erst mal nachdenken.

Schulden weg durch Fracking?

Liebes Tagebuch, Tante Anni und Onkel Freddy haben sich zum ersten Mal das Essenmachen geteilt! Und weil Suse und ich das ganz toll fanden, haben wir auch etwas mitgeholfen. Das Ergebnis, eine große Pizza, war leider durchwachsen. Der Boden, den Onkel Freddy zubereitet hatte, fast ungenießbar. Er schmeckte nach nichts und war hart wie Beton. Heimlich haben wir die Bodenteile an Schewardnadse verfüttert, das ist der Zwergschnauzer von Anni und Freddy.


Natürlich habe ich Onkel Freddy nach den Aktien gefragt, die die Städte bei den Energiefirmen haben.


"Ja, ja", hat Onkel Freddy gesagt, "Städte wie Dortmund und Essen haben große Aktienanteile bei der Firma RWE. Dort sind viele Leute beschäftigt. Natürlich haben diese Städte dann auch nichts gegen das Fracking, wenn RWE damit loslegen will."


"Stimmt es denn, dass die verarmten Städte durch diese Aktien ihre Schulden abbezahlen können?" Habe ich gefragt.


Da meinte Onkel Freddy: "Naja, der Wert der RWE-Aktien ist schon stark angestiegen, aber viele Städte müssen solche Aktien wieder verkaufen. Um Geld in die Stadtkasse zu bekommen, sie sind hoch verschuldet. Die haben dann von späteren Gewinnen der Firma keinen Vorteil mehr. Und das Fracking nützt ihnen gar nichts."


Das merke ich mir für die nächste Sachkundestunde. Mona wird sich noch wundern.


Einen Vorteil hatte der Pizzaversuch dann doch noch. Schewardnadse, der einen sonst wirklich nerven kann, kaute ganz friedlich an dem Pizzaboden. Er hielt ihn wohl für einen leckeren Knochen.

In der Schulstunde

Liebes Tagebuch, Mona, diese Neunmalkluge, hat den Sachkundeunterricht heute ziemlich aufgemischt. Ihr Daddy ist Ingenieur und arbeitet bei der Firma RWE. Mona plappert alles nach, was ihr Daddy so zum Besten gibt. Da im Sachkundeunterricht gerade Umweltverschmutzung dran ist, habe ich vorgeschlagen: "Dann müssen wir auch über das Fracking reden."


Mona ist richtig wütend geworden und hat einen ganzen Vortrag gehalten: "Das ist ja logisch, dass die Dippe über so was reden will. Und zwar nur deswegen, weil sie sowieso dagegen ist. Mein Daddy, der sich nun wirklich auskennt, hat gesagt, dass das Fracking für uns alle gut ist."


"Und wieso?" Habe ich gefragt.


Mona legte richtig los: "Weil die Energiefirmen mit dem Fracking viel Geld verdienen. Das wird ja wohl noch erlaubt sein! Städte, die ganz viel Schulden haben, haben bei diesen Firmen aber Aktien, die dann im Wert steigen. Und dann können die Städte ihre Schulden abbezahlen und wieder Straßen oder Schwimmbäder bauen."


Kurti, den alle die Wasserratte nennen, hat sich darauf eingeschaltet: "Ach so, dann soll ich neben einem Fracking-Bohrturm meine Runden im Schwimmbad drehen? Nein danke!"


Mona ließ sich nicht beirren: "Na und? Fracking ist ganz ungefährlich. Jedenfalls heute!"


Kurti hat noch gemurmelt: "...und die Erde ist eine Scheibe."


Leider war die Stunde dann zuende. Ich bin mal gespannt, wie es beim nächsten Mal weiter geht. Locker lasse ich jedenfalls nicht. Zu der Sache mit diesen Aktien frage ich Onkel Freddy...

Fracking? Ich will das nicht.

Liebes Tagebuch, ich war mit der Suse am Samstag bei Tante Anni und Onkel Freddy zu Besuch. Onkel Freddy hat sich wohl zum ersten Mal in seinem Leben „in Nudeln“ versucht. Man konnte sie sogar essen. Na also, mein ernstes Wörtchen mit Tante Anni hat also eine Wirkung gehabt! Ich meine auch, dass die beiden sich jetzt viel besser vertragen. Demnächst verrate ich Onkel Freddy noch ganz andere Rezepte.


Beim Essen haben wir dann wieder über das Fracking gesprochen. Ich habe ja neulich meine Meinung zu dieser Technik aufgeschrieben. Ich finde sie schlimm. Onkel Freddy hat Suse und mir einen Zeitungsartikel gegeben und oh Schreck was war darin zu lesen?


„CDU spricht sich für Fracking in NRW aus“, stand da. Auch Leute von der SPD und FDP wollen, dass bald schon eine Probeanlage für das Fracking gebaut wird. Ganz ungefährlich würde das sein und das Trinkwasser soll auch nicht verschmutzt werden. Sagt die Firma Exxon. Und das versprechen auch die Politiker.


“Ich glaube denen kein Wort!“ Hat Suse gesagt. Sie hat sich neulich im Internet Bilder angesehen aus Texas, wo große Gebiete wie Betonwüsten aussehen. Durch das Fracking.


“Ich will das auch nicht“, habe ich gesagt. Wenn die erst einmal mit dem Fracking anfangen, wird bald überall gebohrt, der Boden und das Wasser vergiftet und unsere schöne Landschaft zerstört.


“Wenn es um das Geldverdienen geht, sind denen unsere Interessen egal“, meinte Tante Anni. „Da müssen wir uns einmischen. Wir müssen uns wehren!“


Tante Anni weiß sogar eine Internetadresse, wo man als Bürger gegen das Fracking unterschreiben kann: www.stop-fracking-owl.de


Zu Suses und meiner Verblüffung hat Onkel Freddy schon unterschrieben, obwohl er erst gar kein Gegner des Fracking war. Naja, man kann ja immer dazu lernen, nicht nur beim Essenmachen.

Militärmusik

Liebes Tagebuch, Highlights gibt es demnächst bei uns in der Stadt, ich habe die Ankündigungen gesehen. "Kultur und Kunst" steht darüber, und "Paderborn überzeugt". Lunapark ist wieder, einen Fahrradtag wird es geben, auch einen Keramikmarkt. Und eine Woche der Militärmusik. Was das ist, weiß ich aber nicht.


Also habe ich Suse gefragt, die kennt sich aus im Musikalischen. Sie hatte die Werbung dafür auch gelesen. "Da spielen Bands von Soldaten", sagt sie. Auch Flieger und Matrosen würden dabei sein. Aber was für eine Musik machen die, wollte ich wissen. Darüber wusste sie nun auch nicht Bescheid.


Dann habe ich Daddy gefragt, der liest ja alle diese Pläne für Veranstaltungen. "Na, alles mögliche geben die zum Besten, Rock und Pop und Marschmusik", sagt er. "Aber warum machen Soldaten Musik", wollte ich nun auch noch erfahren, "haben die nichts Anderes zu tun?"


"Das ist Werbung für die Bundeswehr", meinte Daddy, "damit Du Dich später freiwillig zum Militär meldest". Er liebt solche Scherze. Er weiß, dass ich nicht in Kriege ziehen will.


Meine Mutter kam zu unserem Gespräch dazu. Sie hat dann etwas von meinem Opa erzählt, der schon tot ist. Der war als Soldat im Krieg, hat den aber lebend überstanden. Das war großes Glück. Später hat er sich immer abgedreht, wenn in der Stadt Militärmusik zu hören war, erinnert sich Mutter. Sie weiß auch noch, was er dann gesagt hat:


"Vor dem Krieg werden flotte Märsche gespielt. Oder wenn die Soldaten losgeschickt werden. Im Krieg dann ständig das Lied "Ich hat einen Kameraden". Immer wenn tote Soldaten ins Grab gebracht werden. Aber denen hilft die Musik nicht, wieder lebendig zu werden."


Ich habe mir überlegt: Ich gehe lieber zur Puppenspielwoche. Die ist auch angekündigt.

Der Fußballpräsident

Den Namen kenne ich: Uli Hoeneß. Ich schaue sonst kaum mal in die Glotze. Ist mir zu langweilig. Aber jetzt habe ich das getan, als meine Eltern staunend vor dem Gerät saßen. Über den Präsidenten vom FC Bayern wurde berichtet, und das ist der Hoeneß. Er hat seine Steuern nicht gezahlt. Erst waren es 3, dann 18, nun schon 27 Millionen Euro, die dem Finanzamt von ihm fehlen.


Im Fernsehen kam auch, dass Hoeneß gesagt hat: "Ich bin kein Sozialschmarotzer". Was meint er denn damit? Habe ich Daddy gefragt.


Daddy hat es mir erklärt: Sozialschmarotzer ist, wer so tut, als wäre er arm, das aber gar nicht ist, und trotzdem vom Staat Geld nimmt.


Da hat der Hoeneß dann ja Recht, habe ich gesagt, das hat er doch auch nicht gemacht. Und dass er nicht kurz vorm Verhungern war, wusste bestimmt jeder.


Ja sicher, meint Mama, was hätte der denn auch mit den paar Euros vom Sozialamt machen sollen, er war doch an Millionen gewöhnt.


Und was ist eine Steuerschuld, habe ich weiter gefragt. Davon war nämlich in der Glotze die ganze Zeit die Rede.


Wenn Du was verdienst, musst Du dem Finanzamt etwas davon abgeben, hat Daddy gesagt. Damit die Kindergärten gebaut und die Lehrer bezahlt werden können und so weiter.


Das gefällt mir nicht, dass der Hoeneß dafür nichts abgeben wollte. Wo er doch massig Schotter hatte, ich kann mir so viel Geld gar nicht vorstellen, wie er es dem Finanzamt schuldet. Und das ist ja nur ein kleiner Teil von dem, was er in der Tasche hatte. Oder auf dem Konto.


Aber wie kommt so ein Fußballpräsident an die vielen, vielen Millionen?


Das wussten meine Eltern auch nicht. Frag Onkel Freddy, sagte Mama, der kennt sich aus.


Das mach ich dann, wenn er hier wieder auftaucht. Nur verstehe ich nicht, warum Freddy zu uns zum Essen kommt. Wenn er sich mit Geldverdienen auskennt, müsste er doch auch steinreich sein. Dann könnte er uns immer in ein Nobelrestaurant einladen. Und ich würde ihn immer fragen, ob er auch seine Steuern bezahlt hat. Ich möchte ja nicht, dass meine Lehrerin kein Gehalt mehr bekommt, denn sie ist ganz ok.

Ich brauche kein Handy!

Am Wochenende war wieder einmal Onkel Freddy zum Mittagessen da. Ich vermute, dass Tante Anni, seine Frau, keine Lust zum Essenmachen gehabt hat. Immer dann kommt Onkel Freddy eben zu uns.


Ich finde das aber nicht richtig: Onkel Freddy kann doch auch selbst einmal bei sich zu Hause Essen kochen. Ich werde mit Tante Anni mal ein ernstes Wörtchen reden müssen!


Immerhin bringt Onkel Freddy meistens interessante Neuigkeiten aus seinem Job mit. Diesmal erzählte er, dass heutzutage die Kinder schon sehr früh ein Handy haben, dann müssten sich die Eltern weniger um sie kümmern.
Und was machen die Kinder damit? Den ganzen Tag telefonieren? Habe ich gefragt.
Nein, meinte Onkel Freddy, sie spielen Spiele, die man aus dem Internet herunterladen kann.
Naja, das kann doch lustig sein, habe ich geantwortet.
Das sieht Onkel Freddy aber anders.


In den Spielen, weiß er, sind Programme versteckt, die man nicht sehen kann. Die senden ganz persönliche Informationen an große Firmen, die sie fleißig sammeln. Wie alt man ist, wo überall man hingeht, welche Freunde man hat. Und welche Dinge man gern haben möchte. Und dann wird man mit ganz viel Reklame bombardiert. Da geht es dann auch um Sachen, die man sich wünschen soll, aber die man gar nicht braucht. Die Eltern kommen dann unter Stress. Und viele geben nach und kaufen den Kindern alles, was die wollen. Da werden schon ganz kleine Kinder richtig süchtig gemacht, sagt Onkel Freddy.


Ich hatte mir zu Weihnachten auch ein Handy gewünscht, um unterwegs mit Suse zu quatschen. Vielleicht nächstes mal, haben mich die Eltern vertröstet. Aber wenn man da ausspioniert wird, will ich so was nicht mehr haben.


Dann lass ich mir lieber einen neuen Fußball schenken.

BABYSUCHE

Jeden Sonnabend liegt bei uns eine Zeitung im Briefkasten, die heißt "Paderborn am Sonntag" und kostet nichts. Es steht aber trotzdem ganz Interessantes drin. Diesmal zum Beispiel gleich auf der Titelseite: "Immer weniger Babys an der Pader".


Erst habe ich gedacht: Was haben Kleinstkinder auch am Wasser zu tun, das ist doch gefährlich. Aber dann war mir rasch klar, das ist nicht gemeint. In dem Artikel steht, dass in unserer Stadt zu wenig Kinder neu geboren werden.


Ich finde das auch nicht schön. Alte Leute sind ganz ok, aber ohne Nachwuchs wird es öde.


Jetzt habe ich meiner Freundin Suse den Zeitungsartikel gezeigt. Die sagt: "Kinder aufzuziehen ist teuer. Das kann sich nicht jeder leisten. Außerdem kostet so ein Baby Zeit. Bei der Mutter meistens. Und dann wird es nichts mit dem Beruf."


Ich habe dagegen gehalten: Unsre Lehrerin hat doch auch ein Baby bekommen. Sie ist ein paar Monate zu Haus geblieben, hat sich um das Kind gekümmert und dann war sie wieder in der Schule, hat bei uns wieder unterrichtet.


Ja ja, sagt Suse, aber sie ist Beamtin und der Mann ist auch so etwas Ähnliches, die können sich ein Kind leisten.


Da ist meine Mutter dazu gekommen, sie hat gesagt: "Was schwätzt Ihr übers Kinderkriegen, dafür seid Ihr noch viel zu jung."


Wir haben ihr erklärt, wie wir auf das Thema gekommen sind. Und haben ihr die Zeitung gezeigt.


"Na dann lest mal den nächsten Artikel, der steht gleich darunter auf der selben Seite", sagt sie.


Das haben wir gemacht. Auch darin stehen viele Zahlen, aber wir haben kapiert, worum es geht: "Wohnen in Paderborn wird immer teurer" heißt die Überschrift. Und etwas Platz braucht so ein Baby.

Mähen der Heidegräser?

Liebes Tagebuch, heute beim Frühstück hat mir Daddy einen Zeitungsartikel gegeben. Erst hatte ich keine Lust ihn zu lesen, habe das dann aber doch getan und fand ihn interessant. Es geht darum, dass die Junge Union gegen einen Nationalpark in der Senne ist. Junge Union? Sind das diese Freaks, die in schicken Häusern wohnen, mit großen Autos zur Schule gefahren werden und nicht nur zur Kommunion oder Konfirmation einen Anzug tragen? Onkel Freddy war als Junge auch mal bei denen, hat das später aber drangegeben. Also diese Junge Union findet es besser, wenn die Soldaten weiter in der Senne ihre Übungen machen. Für die schöne Landschaft hätten die Soldaten und die Schäfer gesorgt, meint sie.


Was haben die Soldaten denn damit zu tun? Habe ich Daddy gefragt. Da sagt Mama: Na, das steht doch auch in dem Artikel. Lies den letzten Satz! - Ach so, die Leute von der Bundeswehr sollen in Zukunft die Heidegräser mähen.


Wenn das so ist, will ich später Soldatin werden. Immer in der schönen Natur, in der Senne. Und das Mähen ist eine gesunde Arbeit. Nur der Lärm muss aufhören, den die Schießerei in der Gegend dort jetzt macht. Ich habe das mitbekommen, bei einem Ausflug. Am Rand der Heide mussten wir umkehren, weil da Krieg geübt wurde. Aber damit wird die Bundeswehr dann sicher aufhören. Sie hat ja genug zu tun, um die Heide zu pflegen. Mama sagt, in der Heide liegt viel schädlicher Müll verscharrt, vom Militär aus früheren Zeiten. Den können dann die Soldaten demnächst doch auch beseitigen. Das ist keine so schöne Arbeit wie das Grasmähen, muss aber auch gemacht werden. Wegen der Natur. Und Panzer braucht man dafür auch nicht, das ist doch angenehm.


Ein Bravo für die Junge Union.

Treffen der VOLKSVERTRETER

Liebes Tagebuch, am Donnerstag haben sich die VOLKSVERTRETER mal wieder im Rathaus getroffen. Ich war diesmal nicht dabei, als Kind muss man sich heutzutage seine Zeit gut einteilen.


Aber Daddy hat mir von dem Treffen berichtet. Da es auch um das FRACKING ging, war es im Großen Sitzungssaal rappelvoll. Viele protestierende Bürger haben teilgenommen und es ging ganz schön rund. Ich weiß gar nicht, warum die sich alle so beschimpfen müssen, hat Daddy gesagt. – Ehrlich gesagt: Kinder kommen mir manchmal viel vernünftiger vor!


Meine Meinung zu dem FRACKING habe ich ja schon aufgeschrieben.


Am Schluss des Treffens ging es um den Stadtteil Elsen (da war ich auch schon mal). Und siehe da: ein Platz oder eine Straße soll nach dem Nelson Rolihlahla Mandela genannt werden! Suse und Mama fragen, warum gerade in Elsen der Nelson so wichtig ist? Ob manche VOLKSVERTRETER so eine Straße im Stadtzentrum nicht haben wollen?


Naja, ein Anfang ist gemacht. Demnächst geht's um Schloß Neuhaus…

FRACKING ist gar nicht lustig!

Liebes Tagebuch, vorige Woche hab ich vor dem Rathaus Leute mit einem großen Plakat gesehen. FRACKING FRISST FLÄCHE stand da drauf. Das fand ich lustig. Am anderen Tag hat uns in der Schule die Lehrerin erklärt, was das ist: FRACKING. Maschinen bohren sich tief in die Erde, um dort Gas und Öl herauszuholen. Ist doch ok, dachte ich, denn wir brauchen ja so etwas. Und wenn viel gefunden wird, ist das gut, dann werden Strom und Gas sicher billiger. Meine Mama jammert immer über die hohen Preise für unsere Heizung. Sie sagt, bald könnten wir uns die nicht mehr leisten.


Aber dann hat die Lehrerin uns erzählt, wie es zugeht beim FRACKING. Da wird viel Landschaft verbraucht, schon bei der Probebohrerei. Viele Betonwege müssen gebaut werden, damit die schweren Geräte an ihren Platz kommen. Schadstoffe werden in die Erde geleitet, und der Wasservorrat tiefunten in der Erde wird verseucht.


Nun kam mir FRACKING gar nicht mehr lustig vor. Ich will ja nicht in der Wüste wohnen.


Zum Mittagessen bei uns am Samstag kam dann Onkel Freddy zu Besuch. Den hab ich auch nach dem FRACKING gefragt. Der kennt sich aus, er ist ein Studierter, wie mein Daddy das nennt. Und er hat einen Job bei einer Bank. Onkel Freddy erzählte: In Amerika läuft das schon länger mit dem FRACKING. Erst hat man gedacht, nun haben wir keine Sorgen mehr mit Gas und Öl, die Erde ist groß und tief, da steckt was drin für alle Zeiten. Aber dann war die Enttäuschung groß, beim FRACKING ist gar nicht so viel herauszuholen. Und viele Leute sind arm dabei geworden. Ihr Haus oder Grundstück ist kaum noch was wert, wenn gleich in der Nähe überall Bohrtürme herumstehen und die Wege zubetoniert sind.


Außerdem haben sie Angst um ihr Trinkwasser.


Ich habe Onkel Freddy gefragt: Weshalb lässt man dann nicht die Finger vom FRACKING? Das kapierst Du erst, wenn Du älter bist, hat er geantwortet. Dann sags doch mir und Deinem Bruder, wir sind ja längst erwachsen, hat meine Mama ihn ermuntert. Da hat Onkel Freddy einen kleinen Vortrag gehalten.


Er sieht das so, das hab ich schon mitbekommen, ich bin doch nicht blöd: Mit dem FRACKING lässt sich richtig Schotter machen, von den Firmen, die bauen und planieren und bohren. Oder das Gerät dafür liefern. Oder den Firmen Kredit geben gegen Zinsen. Die haben ihr Geld in der Tasche, auch wenn bald kein Gas und kein Öl mehr aus diesen Quellen sprudelt. Bis dahin wird üppig verdient.


Mein Daddy fragt: Und nachher die Umweltschäden?


Da muss sich die Gemeinde drum kümmern, oder der Staat, sagt Onkel Freddy, die FRACKING-Firmen ziehen weiter, sie sind mobil.


Ich hab dann meinen Senf dazu gegeben: So verrückt geht es zu, wenn Ihr Erwachsene die Sache in der Hand haltet!


Onkel Freddy hat seine Augen verdreht aber doch ziemlich nachdenklich ausgeschaut. Nicht mal "Naseweise Göre" hat er gesagt.

FRACKING war auch Thema im Stadtrat...

Unser Stadtrat hat sich auch mit FRACKING beschäftigt, sagt mein Daddy. Also nicht selbst mit dem Bohren, sondern ob man es verhindern soll, von der Regierung in Düsseldorf verlangen, dass sie so etwas nicht zulässt. Ist aber wohl nichts Klares dabei herausgekommen.


Meine Oma meint, das läge an den vielen Sitzen, die im Rathaus die Leute von der CDU und der FDP haben. Ja, ich kann diese Parteien jetzt richtig beim Namen nennen, ich habe sie mir gemerkt.


Bald sollen nämlich vielleicht auch Kinder wählen dürfen!

Auweia!

Heute habe ich in der Zeitung gelesen, dass es am Kaukenberg einen ganz bösen Streit gab. Ein Junge hat zwei Brüder mit einem Messer gestochen! Die Brüder mussten ins Krankenhaus, das hätte ganz schlimm ausgehen können.


So etwas wäre möglicherweise nicht passiert, wenn die Jungen sich in der „Nelson-Rolihlahla-Mandela-Straße“ getroffen hätten...


Das hoffe ich jedenfalls.

So viele Wahlen..., puh!

Liebes Tagebuch, so eine Wahlversammlung ist furchtbar langweilig! Nach jeder Vorstellung eines Kandidaten wurde auf einem Zettel ein Kreuz gemacht und alle Zettel wurden in eine Kartonkiste gesteckt. Dann wurden die Stimmen ausgezählt und das Ergebnis verkündet – bis zur nächsten Vorstellung und immer so weiter. Das wollte gar kein Ende nehmen. Suse und ich haben irgendwann nicht mehr zugehört und lieber Schnickschnackschnuck gespielt.


Andreas Krummrey, den auch die DIP zum Bürgermeister haben möchte, hat zu Beginn eine kleine Rede gehalten. Natürlich hat er vergessen, über neue Spielplätze, Schulen und Schwimmbäder zu reden – na ja, viel Zeit hatte er ja nicht. Auf mich wirkt Herr Krummrey erst einmal ganz nett. Er will, dass die Stadt sozialer wird, hmm. Auf jeden Fall verfolge ich weiter, was er so alles zum Besten gibt. Für Herrn Krummrey als neuen Bürgermeister sind auch die SPDler und die Grünen. Ob nächstens die Allerobersten dieser Parteien nach Paderborn kommen zum Wahlkampf und Reden halten? Da hör ich dann aber nicht zu, das wird mir viel zuviel, ich bin ja mit unserem Kandidaten Krummrey ausgelastet.


Es gab auch einen Höhepunkt bei der Versammlung! Ich wurde dort vorgestellt mit einem schönen großen Bild. Alle haben mich sehr gelobt. Das ist auch richtig. Aber ich sage trotzdem immer meine Meinung. Jawohl!


Eine Frau Kruse hat mich richtig lieb gewonnen. Hier ist ein Bild von mir und Frau Kruse.


Frau_Kruse

Eine Wahlversammlung?

Liebes Tagebuch, heute habe ich in der Zeitung gelesen, dass die DIP (huch, die heißt ja so ähnlich wie ich!) eine Wahlversammlung abhält. Da gehe ich mit der Suse auch hin. Wir wollen doch mal sehen, wie kinderfreundlich die Leute da sind!


Zwar darf ich nicht mitwählen, aber einen Herren mit einem komischen Namen schaue ich mir ganz genau an. Er heißt Andreas Krummrey und ist Polizist und die DIP will, dass er Bürgermeister wird. Das wollen auch die SPD und die Grünen, sagt Daddy. Aber das heißt erst einmal noch garnichts.


Ich habe zwar schon sehr nette Polizisten, besonders Polizistinnen, kennen gelernt, aber wenn der Herr Krummrey es etwa vergisst, an viele schöne neue Spielplätze, Schulen und Schwimmbäder zu denken, werde ich richtig sauer. Wir werden sehen…

Nelson-Rolihlahla-Straße!

Liebes Tagebuch, die Idee finde ich richtig toll, eine Paderborner Straße nach Nelson Mandela, diesem netten Präsidenten aus Südafrika zu nennen, der aber leider gestorben ist. Da würde ich dann gerne wohnen. Ich habe im Internet nachgeschaut, was der Nelson so alles gemacht hat!


Erst einmal hat er einen lustigen Namen, denn er heißt nicht nur Nelson, sondern auch „Rolihlahla“. Lustig, was? Ja, ja, aber kaum bekannt. So einer „hat den Blues“ schon im Namen, meint mein Daddy. Das heißt, der Nelson war wahrscheinlich musikalisch. Meine Freundin Suse, dieses Spielkind, wollte schon zu tanzen anfangen, als ich ihr davon erzählt habe.


Wichtiger ist aber, dass der Nelson Rolihlahla dagegen war, dass Schwarze nicht in Parks gehen durften, wo die Weißen spazieren gehen wollten. Und er fand es ganz gemein, dass in den Schulen schwarze und weiße Kinder getrennt waren. Die Toiletten für Weiße durften die Schwarzen auch nicht benutzen. Weil er gegen all diese Sachen gekämpft hat, haben die weißen Herrscher ihn für 27 Jahre eingesperrt, oh je. Als Nelson Rolihlahla wieder frei gelassen wurde, hielt er eine lange Rede. Aber er war nicht böse auf die weißen Herrscher, sondern er wollte Versöhnung und Vergebung und gleiche Rechte für alle. Das hat er wohl auch erreicht und wurde zum ersten schwarzen Präsidenten gewählt. Ob es heute allen gleich gut geht in Südafrika, egal, ob sie schwarz oder weiß sind? Da muss ich mich noch mal schlau machen...


Für seine menschliche Politik bekam der Nelson Rolihlahla jedenfalls später den Friedensnobelpreis. Das finde ich auch richtig.


Also: ich finde, der Rat der Stadt sollte unbedingt eine Straße nach dem Nelson Rolihlahla nennen. Am besten in der Nähe einer Schule, wo ganz verschieden farbige Kinder hin gehen. Und wenn sie sich dann mal streiten, kann man immer sagen: Ihr sollt euch nicht in der „Nelson-Rolihlahla-Mandela-Straße“ streiten!


So, jetzt drängt mich die Suse, doch mit ihr zu tanzen. Naja, wenn’s unbedingt sein muss. Wann wird die bloß erwachsen…

Hier fehlt aber noch viel Farbe

Liebes Tagebuch, ich kümmere mich bald um dich und werde überall Blümchen malen und schöne Bilder kleben. Mach dir keine Sorgen!


Jetzt muss ich noch schnell die Mathe HA machen. Tschüüss.